Verflucht und zugenäht

Als mir Liebchen die Frucht unsrer Liebe gesteht, habe ich meinen Hosenschlitz verflucht und zugenäht.

Das alte Studentenlied verführt vielleicht zum Schmunzeln, aber so lustig ist es gar nicht. Wer war Liebchen denn? Wahrscheinlich ein unschuldiges Mädchen vom Lande, das im elterlichen Haushalt des Herrn Studioso Anstellung als Stubenmädchen gefunden hatte. Ich habe öfter gesehen, was aus diesen Mädchen wurde, nachdem der Herr Studioso sie unter seine Fittiche genommen hatte.
Mit viel Gedruckse hat er seinem Vater gestande, was passiert ist. Der Vater läßt ihm die Wahl: entweder er heiratet das Mädchen und wird enterbt oder er verstößt sie.
Ihro Gnaden können sich vorstellen, für was sich der Herr Studioso entschieden hat.
Das arme schwangere Mädchen wird von den Eltern verstoßen. Die Geburt muss heimlich ohne Zeugen geschehen.
Nach der Geburt legt sie das Kind in die Kinderklappe der Kirche oder sie tötet es aus Verzweiflung. In beiden Fällen bleibt der Mutter nichts anderes übrig als als Hübschlerin auf der Straße zu arbeiten. Hoffen
wir nur, das sie sich keine Geschlechtskrankheit einfängt, die sie dann weitergibt.

Ihr Johann Sylvester Bremme

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