Bach? Wer ist Bach?

Wenn Sie mal an unserer Nikolaikirche vorbeikommen, hören Sie mal ganz genau hin. Hören Sie die Orgel? Ja? Meister Bach spielt am edlen Instrument. Hören Sie auch den Chor? Er übt mit dem Thomanerchor. Bach – kannten wir in Leipzig nicht, wollten wir auch gar nicht haben. Georg Philipp Telemann aus Hamburg, ja den hätten wir gerne gehabt. Der kommt nach Leipzig, verhandelt ein dreiviertel Jahr mit dem Leipziger Rat. Als er endlich seinen Vertrag in den Händen hielt, reist er zurück nach Hamburg, knallt den Hamburgern den Vertrag auf den Tisch und sagt: „Ich bekomme in Leipzig, das, das, das, das, das. Ich will von euch das, das, das, das, das. Bekomme ich das nicht, unterschreibe unten rechts und bin ab morgen in Leipzig.“ Die Hamburger parierten. Telemann bleibt in Hamburg.

Telemann empfiehlt Christoph Graupner. Der macht das genauso. Fährt zurück zu seinem Landesherrn nach Darmstadt, knallt dem den Vertrag auf den Tisch. Der Landesherr bessert sein Gehalt auf, Graupner bleibt in Darmstadt.

Blieb nur Johann Sebastian Bach. Den kannte in Leipzig kein Mensch, den wollte der Leipziger Rat auch nicht haben. Sie mussten ihn nehmen, es war sonst keiner mehr da. Und so wird Bach unser Stadtmusikdirektor, der ist für alles verantwortlich, was in Leipzig mit Musik zu tun hat. Und Bach ist auch verantwortlich für den Thomanerchor. Als Bach den Chor zum ersten Mal singen hört, soll er sich fürchterlich aufgeregt haben. Er nennt die Thomaner eine Horde ungezogener, unmusikalischer, ungewaschener Rotzlöffel. Da durfte jeder mitsingen der wollte, egal ob er konnte oder nicht – so hats auch manchmal geklungen. Bach sucht seine Chorknaben aus und wenn sie mal ganz genau hinhören – wenn der Bach noch eine Weile mit dem Chor übt, könnte das mal einer der besten Knabenchöre der Welt werden.

Was ist denn erste Bürgerpflicht am Sonntag? Natürlich in die Kirche gehen, zum Gottesdienst. Also ich muss nicht. Ich bin nachts auf der Straße, ich darf am Tag schlafen. Aber manchmal gehe ich zum Gottesdienst in die Nikolaikirche. Ich bin nicht neugierig, aber ich will ja auch manchmal wissen, was da los ist. Und so auch am 30. Mai 1723. Denn da spielte zum ersten Mal unser neuer Kantor Johann Sebastian Bach. Nachdem Bach fertig ist mit seinem Werk, ist es mucksmäuschenstill in der Kirche. Und dann bricht Applaus los. In der Kirche. Zum Gottesdienst. Zustände herrschen in Leipzig – unglaublich.

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