Goethe – Student und Schwerenöter

Hier ist wieder euer Johann Matthäus Bremme.
In Leipzig sorge ich zu nächtlicher Stunde für Ruhe, Ordnung und Sicherheit.

Grölende und besoffene Studenten sind zwar lästig, aber kein wirkliches Problem.

Ich erinnere mich genau an so einen jungen, rappeldürren, Mitleid erregenden Burschen; höchstens 1,70 m groß. Oftmals wurde er dafür gehänselt. Doch mit seiner Wortgewandtheit wusste er sich letztendlich durchzusetzen.
Wie hieß der bloß? – Johann, Johann Wolfgang, richtig: Johann Wolfgang Goethe.

Gefreut habe ich mich immer, wenn er aus Auerbachs Keller kommend mich bei meinem Dienstrundgang ein Stückchen des Wegs begleitete. Er war so lustig und versüßte mir meinen Dienst mit allerlei Geschichten, die er zu erzählen wusste. Ich hab mich sogar dabei ertappt, wie ich, in der Hoffnung, der junge Goethe könnte augenblicklich aus dem Wirtshaus kommen, mein Schritttempo verlangsamte.

Der schien sich wirklich für alles und jeden zu interessieren. Nur um die Universität, er wollte wohl Juristerei studieren, machte er einen Bogen. Stattdessen sah man ihn öfter in der Malakademie beim Oeser. Ich habe Skizzen bewundert. So gut er erzählen konnte, so gut hat er auch gemalt. Die Mädchen haben ihn angehimmelt. Wen wundert’s da, wenn es eine Liaison mit des Direktors Töchterchen gegeben hat.
Auch eine Romanze mit der Wirtstochter Käthchen Schönkopf soll sich angebahnt
haben. Nur was soll eine Wirtstochter mit einem Studenten anfangen, der nichts
hat. Schließlich sind die Wirtsleute in Leipzig mit die reichsten Bürger.
Aber mit dem Nichtshaben stimmt so beim Goethe nicht. Wenn ich mich recht entsinne, erhielt er von seinem Vater 100 Taler pro Monat! 100 Taler! Damit war der nicht nur der reichste Student und reicher als manch Bürgersmann. Er konnte sich damit ernsthafte und amüsante Zeitvertreibe leisten. Und so verstand er es gut in der eleganten und weltoffenen Stadt, in seinem „Kleinparis“, zu leben.

Sein Studium hat er natürlich nicht ordentlich zu Ende gebracht, hat sich mit brotlosem Zeug, dem Dichten und dem Malen beschäftigt und ist dennoch, wie man in Leipzig so munkelt, Minister im fernen Weimar geworden.

Die Welt scheint mir aus den Fugen zu geraten.

von Johann Matthäus Bremme

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