Ein gemeiner Mord und ein starker Bürgermeister

Als einfacher Mensch habe ich schon immer ein Gerechtigkeitsempfinden. Um die große Politik kümmere ich mich herzlich wenig. Doch was Menschen sich alles zu ihrem Vorteil einfallen lassen, ist manchmal selbst für mich unmöglich!
Ich höre dann schon die vorwurfsvollen Stimmen mancher Ratsmitglieder: „Könnt ihr Nachtwächter das nicht verhindern? Wozu seid ihr überhaupt da?“
In derartigen Situationen wünsche ich mir einen starken Rat mit einem selbstbewussten Bürgermeister, der die Schuld nicht bei uns Nachtwächtern sucht.
So einen wie den Bürgermeister Lotter. Der ließ nicht nur unser wunderschönes Rathaus innerhalb von neun Monaten erbauen, sondern sorgte auch für Sicherheit in der Stadt und selbst auf den Zufahrtswegen außerhalb der Stadt Leipzig. Schließlich kommen tausende Händler und Messefremde alljährlich zu uns.

Überfälle außerhalb der Stadt gab es immer wieder. Seltener waren davon Messegäste betroffen, weil die unter dem Schutz des Landesherren standen. Im Jahr 1557 soll’s gewesen sein. Bei Schönau, einem Dorfe westlich von Leipzig, überfielen in Raubrittermanier adliges Gesindel Nürnberger Messehändler und töteten den Patrizier Oertel – welch ein Frevel!

Da die Frühjahrsmesse beginnen sollte und der gute Ruf der Leipziger Sicherheit nicht in Frage zu stellen sei, übernahm Bürgermeister Hieronymus Lotter die Untersuchungen höchst selbst. – Wie mutig! Der feige Mord wurde schnell aufgeklärt. Viele Adlige protestierten, da eine Hinrichtung der feudalen Missetäter nicht durch Städtebürger erfolgen durfte. Der Kurfürst August, interessiert am regen Messehandel, spielte mit der Zeit und überließ der Stadt Leipzig und damit dem Bürgermeister Lotter die Verhaftung und letztendlich die Hinrichtung durch das Schwert auf dem Marktplatz zu Leipzig.

Sollte es tatsächlich noch so etwas wie Vertrauen und Verlass in die Autoritäten der Stadt geben?

Die Welt scheint mir aus den Fugen zu geraten.

von Johann Matthäus Bremme

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