Familie Bremme: Berta

Berta Bremme mein Name, angenehm.

 

Als Frau eines Nachtwächters hat man es nicht immer leicht. Am Tage kümmere ich mich nicht nur um meine drei Kinder, was allein schon Arbeit genug wäre, das können Sie mir glauben. Während mein werter Gatte sich von der Nachtschicht ausruht und den Schlaf der Gerechten schläft, kümmere ich mich um den Haushalt, um die Wäsche, ich nähe, koche und backe. Natürlich nicht für uns – feinstes Backwerk, davon können wir Nachtwächterfamilien nur träumen – nein, aber die Frau von Ziegler, die nascht doch so gerne. Und weil die wegen ihrer Schreiberei und dem Salon doch nicht zum Backen kommt, beauftragt sie eben mich damit. Und wenn sie mir das Geld für die Zutaten gibt, dann legt sie immer noch ein paar Groschen oben drauf, die Gute.

 

So habe ich also tagein tagaus mein Tun. Und dann passiert es ab und an, dass mein liebreizender Herr Gatte…nun ja…unpässlich ist, und seinen Nachtwächterdienst nicht selbst antreten kann. Wenn das die Ratsherren wüssten, die würden ihm die Hammelbeine langziehen, dem alten Wicht. Aber es nützt ja nichts, einer muss den Dienst ja machen. Und wenn ich mich dann anstelle meines Friedrichs mit Johann Sylvester oder einem seiner Vettern zum nächtlichen Rundgang treffe, dann begrüßen mich die Herren auf die immer gleiche Weise. „Berta!“ schallt es dann schon von weitem unter hellem Gelächter, „kennst du den kürzesten Witz der Welt?“ „Ja, ja“ antworte ich dann müde. „Der Nachtwächter geht an der Kneipe vorbei!“

 

Aber ich lasse mich nicht beirren. Meinem Liebsten sei die gelegentliche Gose gegönnt, und ganz ehrlich: Wenn Frau von Ziegler als erste Frau in die Deutsche Gesellschaft aufgenommen wurde und nun als Poeta laureata mit ursprünglichem „Männerhandwerk“ Geld und Ruhm verdienen kann, dann, möchte ich meinen, kann ich ja wohl auch auf die Stadt und die Herren Studiosi aufpassen – nichts  leichter als das!
von Berta Bremme

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jürgen Moch sagt:

    Mit Berta Bremme durch die Nacht, die Geschichte Leipzigs zum Leben erwacht.
    Die Erzählungen das Leben so lebendig vor Augen führt, so das ich beim nächsten Nachtrundgang als Nachtwächtergehilfe wieder mitgehen würd.
    Jürgen aus München, den 21.06.2018

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    1. Lieber Jürgen, welch phantasievoller Reim. Chapeau! Schön, dass wir so tolle Gäste haben. Danke! Ich habe Maria diesen Lobgesang gern weitergeleitet. Mutter Bremme

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