… in aller Ruhe

Ein neues Getränk ist zu uns nach Leipzig gekommen – der Kaffee. Der duftet gut, anregend soll er sein und die Manneskraft stärken. Aber als armer Nachtwächter kann ich mir keinen Kaffee leisten. Die Türken sollen den Kaffee nach Wien gebracht haben. Ein Händler bringt ein Säckchen Kaffee nach Leipzig, verkauft es einem Leipziger Kaufmann,…

Zeter und Mordio

Wir Sachsen sind doch ein recht gemütliches und friedliches Völkchen. Hauptsache, mir ham unsre Ruhe. Doch manch einer gönnt uns unsere Ruhe nicht. Die Schweden, als sie im Dreißigjährigen Krieg unser Leipzig gleich zwei Mal belagerten. Oder die Preußen, die unser schönes Sachsen 1756 einfach überrannten. Neben unserer Ruhe lieben wir unsere Unabhängigkeit. Und wehe,…

Bach? Wer ist Bach?

Wenn Sie mal an unserer Nikolaikirche vorbeikommen, hören Sie mal ganz genau hin. Hören Sie die Orgel? Ja? Meister Bach spielt am edlen Instrument. Hören Sie auch den Chor? Er übt mit dem Thomanerchor. Bach – kannten wir in Leipzig nicht, wollten wir auch gar nicht haben. Georg Philipp Telemann aus Hamburg, ja den hätten…

Unsere ganze Pracht

Natürlich komme ich auch jeden Abend an unserer Nikolaikirche vorbei. So um 1165 bekommt Leipzig Stadt- und Marktrecht und da fangen die Bürger ganz schnell an, die Nikolaikirche zu bauen. Denn sie hatten Angst, dass irgendein Bischof kommt und sich hier eine Bischofskirche hinbaut. Die Leipziger haben immer sehr genau aufgepasst, dass sich die Kirche…

Verflucht und zugenäht

Als mir Liebchen die Frucht unsrer Liebe gesteht, habe ich meinen Hosenschlitz verflucht und zugenäht. Das alte Studentenlied verführt vielleicht zum Schmunzeln, aber so lustig ist es gar nicht. Wer war Liebchen denn? Wahrscheinlich ein unschuldiges Mädchen vom Lande, das im elterlichen Haushalt des Herrn Studioso Anstellung als Stubenmädchen gefunden hatte. Ich habe öfter gesehen,…

Hermes wacht über Leipzig

Johann Christian Bremme meldet sich wieder. Prächtige Handelshöfe entstehen in unserer Stadt, an die zwanzig sollen es ein. Leipzig ist die wichtigste Messestadt im Heiligen Römischen Reich. Doch etwas finde ich merkwürdig. An den prächtigen Fassaden grinst mich desöfteren ein Herr mit geflügeltem Helm an. Herren mit Helm – ja gut, aber Flügel am Helm?…

So eine Wirtschaft mit diesem Lotter

Leipzig ist eine wohlhabende Handels- und Messestadt – mit recht kleinem Rathaus, meinten jedenfalls im 16. Jahrhundert unsere Ratsherren. Sie gingen zu ihrem Bürgermeister und Baumeister Hieronymus Lotter und sagten: „Wir sind eine reiche Handelsstadt, bau uns mal ein neues, großes Rathaus.“ Der Bürgermeister guckte in die Stadtkasse – Kasse leer. Und da dachte sich…

Leipziger Chaisenträger

Mein Name ist Johann Matthäus Bremme. Ihr erinnert euch? Ich bin einer der Nachtwächter der Stadt Leipzig. Abends treffe ich die Portechaisenträger häufiger, zumal ich mich gern auf deren Stützpunkt, unter den Arkaden der Börsenrückseite, aufhalte, um bei Unwetter wenigstens für Augenblicke Schutz zu finden. Ach, ihr kennt die Portechaisenträger gar nicht? Ja die Leipziger…

Goethe – Student und Schwerenöter

Hier ist wieder euer Johann Matthäus Bremme. In Leipzig sorge ich zu nächtlicher Stunde für Ruhe, Ordnung und Sicherheit. Grölende und besoffene Studenten sind zwar lästig, aber kein wirkliches Problem. Ich erinnere mich genau an so einen jungen, rappeldürren, Mitleid erregenden Burschen; höchstens 1,70 m groß. Oftmals wurde er dafür gehänselt. Doch mit seiner Wortgewandtheit…

Ein gemeiner Mord und ein starker Bürgermeister

Als einfacher Mensch habe ich schon immer ein Gerechtigkeitsempfinden. Um die große Politik kümmere ich mich herzlich wenig. Doch was Menschen sich alles zu ihrem Vorteil einfallen lassen, ist manchmal selbst für mich unmöglich! Ich höre dann schon die vorwurfsvollen Stimmen mancher Ratsmitglieder: „Könnt ihr Nachtwächter das nicht verhindern? Wozu seid ihr überhaupt da?“ In…

Was unter den Blumen die Rose …

Johann Sebastian Bach kam ja 1723 aus Köthen vom Hof des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau zu uns nach Leipzig. Er war als Hofkapellmeister mit dem Fürsten sehr freundschaftlich verbunden. Als der Fürst heiratete war die Fürstin außerordentlich eifersüchtig. Sie hat alles getan, dass Johann Sebastian aus Köthen verschwand. Deshalb kam er auch zu uns nach…

Von der Leipziger Stadtmauer

1756 – Es ist Krieg. Unser schönes Sachsen ist von den Preußen besetzt. Leipzig leidet sehr unter den Einquartierungen und den Kontributionszahlungen. Wir hören immer mehr diesen aggressiven preußischen Dialekt, als unser weiches, freundliches sächsisch. Gott sei dank hat sich durch die Besetzung der Wunsch unseres Ältesten, Karl Wilhelm, sich beim Militär anwerben zu lassen,…